Sibelco Deutschland

Erwerb der Grube „Doris“ in Eisenberg (Pfalz)

Die Sibelco Deutschland GmbH übernahm im Januar 2013 die Geschäfte der Tongrube „Doris“ in Eisenberg im Zuge einer Nachfolgeregelung mit der in Wiesloch ansässigen Firma Sandritter. Damit werden die seit vielen Jahren bestehenden Sibelco-Gewinnungsaktivitäten des Tiefbaus „Abendtal“ und des Tagebaus „Talstraße“ in Eisenberg im Sinne einer zukunftsorientierten Rohstoffsicherung erweitert. Die in „Doris“ abgebauten Tone, „terra sigillata“ („gesiegelte Erde“), machten den südlichen Teil der Pfalz bereits zu Zeiten der alten Römer zum „Meißen“ der damaligen römischen und später auch germanischen Provinzen.

TerraSigillata GrubeDorisDie Technologie, die von den Römern mitgebracht wurde, basiert auf einem speziellen Schlämmprozess, durch den im Wesentlichen der Anteil an gröberem freien Quarz, Kalk- und Eisenmineralen reduziert wurde. Die so hergestellte „Masse“ war plastisch, rotbrennend mit einem deutlich besseren Sinterverhalten, als das der bis dahin meist verwendeten Terracottamassen. Die Gefäße, die bis heute erhalten sind, zeigen eine klare rote Bennfarbe; reduzierend gebrannt sind sie schwarz und in jedem Fall glänzend, ohne glasiert zu sein.

Die besondere Schönheit und Eigenschaften der Produkte dieser Provinz des römischen Reiches verdanken sie den dort vorhandenen Rohstoffen, die – das können wir heutzutage sagen – nicht einzigartig sind, sich aber deutlich von anderen Rohstoffen im modernen Europa unterscheiden.

Tonstoss GrubeDoris

Geologisch sind die Tone in Eisenberg dem Mainzer Becken zugehörig. Es handelt sich um Sedimente, die auf eine tiefgründige Bundsandsteinverwitterung zurückzuführen sind. Je nach klimatischen Bedingungen entstand dieser Mix aus Kaolinit und Illit bis hin zu fast reinen illitischen Glimmermineralen.
Die speziellen Eigenschaften der Tone basieren auf genau dieser Mineralogie, die geprägt ist von dem Tonmineral Illit, also einem hydratisierten Glimmer. In diesem Fall handelt es sich um einen Typ Illit, der nur gering hydratisiert ist, dies jedoch in einer extrem feinen Korngrößenverteilung und damit nicht mit dem Illit der Westerwälder Tone zu vergleichen.

Darüber hinaus zeichnen sich die Eisenberger Tone durch ein gutes rheologisches - und Trockenverhalten aus.

Der bedingt durch die geringe Hydratation verbleibende hohe Kaliumgehalt in Verbindung mit einer Substitution von Al durch Fe in der Oktaederschicht führt zu einem außergewöhnlichen Sinterverhalten, d. h. der grüne Engobeton brennt bereits bei 900°C dicht. Von diesen geologischen und mineralogischen Zusammenhängen werden alle übrigen Tone der Lagerstätte in ihren Eigenschaften beeinflusst. Das Vorhandensein von Kaolinit in unterschiedlichen Anteilen in Verbindung mit variierenden Quarz- und Fe-Mineralen führt zu einem Spektrum an Tonen mit den entsprechenden keramischen Eigenschaften. Die Tabelle veranschaulicht die Vielfalt der Tone anhand der chemischen Analysen:

chem-analyse-grubentone-doris

Abb. 03: Chem. Analyse der Grubentone „Doris“

DS-Kurve-Grubenton-Doris

Abb. 04: D/S-Kurve Grubenton „Doris“

Die Tone der Grube „Doris“ in Eisenberg ergänzen hervorragend die Produktpalette von Sibelco Deutschland. Auf dieser Grundlage entstehen gemeinschaftlich mit der keramischen Industrie fortschrittliche Rohstofflösungen für innovative Produkte.